Das Parlament eröffnet die Herbstsession, und vieles dreht sich darum, wer bleiben darf.

Woche 38 · 2026. Nachgereicht am 15. Oktober 2026, aus den Meldungen jener Woche. Die Herbstsession begann am Montag, die Debatte über die Zuwanderungsabgabe wurde schärfer, der Nationalrat verschärfte Asyl- und Bürgerrecht, und die Ökonomen wurden zuversichtlicher.

Die Woche

Die Herbstsession beginnt, mit dem EU-Paket im Zentrum

Das Parlament tagt vom 14. September bis 2. Oktober. Der Ständerat berät ab 28. September das neue Vertragspaket mit der EU, darunter Lohnschutz, Schutzmassnahmen bei der Personenfreizügigkeit und die Frage, ob auch die Kantone in einer Abstimmung zustimmen müssen. Auch Armeefinanzen und das Mercosur-Abkommen stehen auf der Liste.

Quelle: SWI swissinfo.ch

Die Zuwanderungsabgabe: Was genau vorgeschlagen ist

Die Abgabe würde nur unter der Schutzklausel der EU-Verträge greifen. Vorgeschlagen ist, dass Arbeitgeber mindestens CHF 4'000 für jede im Ausland rekrutierte Arbeitskraft zahlen, und CHF 2'000 für Familienmitglieder, die im Familiennachzug kommen. Der Arbeitgeberverband lehnt sie wegen Kosten und Bürokratie ab, und die EU könnte sie anfechten. Verfolge es, ohne es für entschieden zu halten.

Quelle: Le News

Der Nationalrat verschärft Asyl- und Bürgerrecht

Am 17. September stimmte die grosse Kammer dafür, Doppelbürgern nach schweren Straftaten das Schweizer Bürgerrecht entziehen zu können, die Praxis von 2023 zu beenden, afghanischen Frauen und Mädchen Asyl zu gewähren, und Visa-Sanktionen gegen Länder einzuführen, die Rückführungen verweigern. Abgelehnt hat sie Aufenthaltsbewilligungen für vorläufig Aufgenommene nach zehn Jahren. Als Nächstes entscheidet der Ständerat.

Quelle: 20 Minuten

Die Ökonomen des Bundes erhöhen die Wachstumsprognose für 2026

Die Expertengruppe des Bundes erwartet für dieses Jahr nun 1,7 Prozent Wachstum, statt 0,9 Prozent im Juni, und 1,6 Prozent für 2027. Die Teuerung sieht sie in beiden Jahren bei 0,6 Prozent und die Arbeitslosigkeit um 3 Prozent. Als Risiken nennt sie den Nahen Osten, die Energiepreise und die US-Handelspolitik.

Quelle: SECO

Es wird mehr gebaut, aber die Wohnungsnot lässt nur leicht nach

Eine Studie für das Bundesamt für Wohnungswesen erwartet rund 45'000 neue Wohnungen 2026 und 50'000 im Jahr 2027, nach rund 39'000 im Jahr 2025, dem tiefsten Wert seit 2009. Das meiste Wachstum findet ausserhalb der grossen Städte statt, die unter Druck bleiben. Wenn Du in Zürich, Genf oder Lausanne suchst, rechne mit Konkurrenz, nicht mit Entspannung.

Quelle: cash.ch

Diese Woche, falls Du gerade ankommst

  • Wenn Du eine Wohnung suchst, hab Dein Dossier vor der ersten Besichtigung bereit: Ausweis oder Bewilligung, Betreibungsauszug und Einkommensnachweis.
  • Melde Dich innerhalb von 14 Tagen nach Ankunft bei der Gemeinde an und schliesse innerhalb von drei Monaten die Grundversicherung ab. Der Schutz gilt rückwirkend ab dem Ankunftstag.
  • Die politischen Nachrichten sind diesen Monat laut und meist unfertig. Lies bei einem Vorschlag zuerst das Datum, dann den Titel.

Eine Stadt im Fokus: Genf

  • Das internationale Genf hat seit Anfang 2025 rund 2'800 Stellen verloren, vor allem bei UNO-Organisationen, laut Zahlen des Bundes vom 14. September.
  • Der Budgetentwurf des Kantons für 2027 zeigt ein Defizit von CHF 546,2 Millionen.
  • Nur rund 18 Prozent wohnen im eigenen Heim, der tiefste Anteil der Schweiz. Am 27. September wird abgestimmt, ob gewisse Mieter ihre Wohnung kaufen dürfen.
  • Die Stadt ist klein und der Kanton fast überall von Frankreich umgeben. Der Arbeitsweg ist hier eine Entscheidung über Länder, nicht nur über Trams.

Eine leise Notiz

Wenn ein Parlament darüber spricht, wer dazugehört, hören frisch Angekommene jedes Wort als Urteil. Es hilft, sich zu erinnern, wie langsam dieses Land sich bewegt: zwei Kammern, Kommissionen, oft ein Referendum, dann Jahre, bis etwas angewendet wird. Dein Leben hier läuft in einem anderen Tempo, im Tram, am Pult, in der Schlange auf der Gemeinde. Lebe in diesem Tempo. Lies die Politik am Sonntag, mit Kaffee, und lass die Woche Dir gehören.